Alle Artikel mit dem Schlagwort: Digitalisierung

Journalist? Muss man sich leisten können!

Florian Gontek ist 25 Jahre alt. Er liebt es, nah an den Menschen zu sein, ihre Geschichten zu erzählen. Auch deshalb arbeitet er seit mittlerweile zehn Jahren im Lokaljournalismus – zuerst für das Haller Kreisblatt, dann für die Allgemeine Zeitung in der namibischen Hauptstadt Windhoek und mittlerweile auch für den Kölner Stadtanzeiger. Daneben schreibt er als freier Journalist für bento und gelegentlich für sueddeutsche.de und studiert Politikwissenschaften. Warum er Journalist geworden ist? Aus Leidenschaft. Doch die steht auf der Kippe. Herr Gontek, manches, was Sie sagen, klingt nach Kritik am Zustand des Journalismus … Gontek: Prinzipiell gibt es viele Dinge, die gut laufen. Aber, ich denke, eben auch einige grundlegende, die weniger gut funktionieren. In meinen Augen sollte Journalismus eine Art Seismograph der Gesellschaft sein, er sollte Sachen erahnen, aufspüren und einordnen. Das hat in den letzten Jahren nicht immer funktioniert, wenn man etwa an die sogenannte Flüchtlingskrise denkt. Darüber haben viele Journalisten, wie ich finde, zu einseitig, zu positiv berichtet und haben die Konsequenzen nicht reflektiert. Es gab viel Kritik. Ich zum Beispiel habe mich …

Bild: Anna Chernova/Shutterstock.com
Bild: Anna Chernova/Shutterstock.com

Der Mythos vom freien Netz – und sein Einfluss auf den Journalismus

Schaut man auf die frühen Tage des massentauglichen Internets, also in die 1990er und frühen 2000er Jahre, entsteht gerne ein Gefühl der Nostalgie. Das liegt nicht nur am reduzierten Design der damaligen Websites, sondern auch am Charme der Prä-Social-Web-Zeit, als sich die Macht der großen Internetgiganten noch nicht herausgeschält hatte und auf Videoplattformen noch „echte“ Nutzer statt bezahlter Influencer dominierten. Und da war natürlich die Verheißung der Internet-Pioniere, das Web werde nun ganze Gesellschaften befreien und wahre Demokratie schaffen. Nüchtern betrachtet wirkte das schon damals übertrieben, heute wissen wir es ohnehin besser. Oder nicht? In einem neuen Buch zeigen die Kommunikationswissenschaftlerinnen Angela Philips und Eiri Elvestad, dass Mythen rund um die emanzipatorische Kraft des Netzes weiterleben – auch im Journalismus. Eine Rezension. Philips und Elvestad sind freilich angetreten, diese Mythen zu widerlegen. Dabei bedienen sie sich zumindest auf den ersten Blick einer Darstellungsform, wie sie kaum Social-Web-tauglicher sein könnte: dem Listicle. „Seven Myths of the Social Media Era“ ist ihr Buch „Misunderstanding News Audiences“ untertitelt.  Allerdings gehen sie auf 180 Seiten wissenschaftlich durchaus in die …

CC0/ stockpick.com

Was ist noch Kunst in der digitalen Welt?

Vom Computer komponierte Musikstücke, Roboter, die malen, iPad-Zeichnungen, die am Ende nichts weiter sind als Datenhaufen: Was bedeutet die Digitalisierung für die Kunst? Bei weitem mehr als nur die Notwendigkeit, über geistiges Eigentum und Urheberschaft neu zu diskutieren. Am Ende wird es darum gehen, in einer digitalisierten Welt die Kunst unabhängig von der Einzigartigkeit eines Werks neu zu definieren – begonnen bei Walter Benjamin.