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Daten im Sport: Den Fußball entschlüsseln

Immer mehr Fußballvereine setzen auf neue Daten und probieren so mehr Erkenntnisse aus den Spielen und Trainings zu ziehen. Trotzdem steht die Bundesliga in dieser Entwicklung noch sehr weit am Anfang, sagt der Sportwissenschaftler Daniel Memmert. Herr Memmert, für viele gilt Fußball noch als einfaches und simples Spiel. Was sagen Sie als Sportwissenschaftler, der sich tiefgehend mit Daten rund um den Fußball beschäftigt, dazu? Memmert: Einerseits ist das Spiel natürlich in gewisser Weise einfach: Wer die meisten Tore schießt, der gewinnt das Spiel. Auf der anderen Seite ist es tatsächlich so, dass das Erzielen von Toren oft Glückssache ist. Aus Studien wissen wir, dass insgesamt 40 Prozent der Tore glücklich entstehen. Es sind also nur 60 Prozent beeinflussbar. Dieser Bereich ist dann natürlich extrem komplex. Also wenn es um die Frage geht: Wie schaffe ich es diese 60 Prozent zu meinen Gunsten zu beeinflussen? Dabei gilt es im Training verschiedene Faktoren wie Taktik, Technik, Teambuilding und auch konditionelle Aspekte zu verbessern. Aber es geht auch darum zu schauen, welche Informationen ich aus Spielen der gegnerischen …

Südkorea: Geburtsland des E-Sports

Während in Europa und Nordamerika der E-Sport auf dem Vormarsch ist, gibt es eine Region, in der das gar nicht mehr nötig ist: In Südkorea ist Zocken schon seit Jahren Volks- und Leistungssport. 1. September 2018 in Cibinong, Indonesien: Die sükoreanische Fußballnationalmannschaft gewinnt nach Verlängerung 2:1 gegen Japan und holt damit Gold bei den Asienspielen. Sportlich bewegt das in Europa kaum jemanden, die Schlagzeilen lauten eher: Heung Min Son weiterhin bei Tottenham. Der 26-Jährige hätte eigentlich bis zu seinem 30. Geburtstag den etwa zweijährigen Militärdienst ableisten müssen, der in Südkorea in der Verfassung festgeschrieben ist. Doch wer bei den Asien- oder den Olympischen Spielen Gold gewinnt, der braucht nicht zu dienen. Das gesamte Nationalteam ist von der Wehrpflicht befreit. Weniger als 48 Stunden zuvor, am 30. August 2018, in Jakarta, Indonesien, gewinnt auch Cho Seong Ju eine Goldmedaille. Cho ist besser unter seinem Nickname Maru bekannt, und in Südkorea berühmter als Heung Min Son. Er ist professioneller Starcraft-II-Spieler und seit Ende August einer der Sieger beim ersten quasi-olympischen E-Sport-Turnier. Ob er damit auch vom Militärdienst …

Was ist eigentlich E-Sport?

Jeder assoziiert mit „Sport“ etwas anderes. Und trotzdem ist für jeden klar, was gemeint ist. Anders bei E-Sport: elektronischer Sport – was soll das sein? In vielen Ländern schon eine anerkannte Sportart! In Deutschland gibt es zurzeit noch Diskussionen, ob man E-Sport offiziell als Sportart anerkennt. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Der Begriff E-Sport umfasst das Spielen am Computer oder der Konsole unter Wettbewerbsbedingungen. Im Einzel- oder Mehrspielermodus messen sich Gamer in Video- und Computerspielen unter Berücksichtigung vorab festgelegter Regeln. Ein Bezug zu klassischen Sportarten ist klar zu erkennen: Es gibt Wettkämpfe und es kommt auf Geschick, logisches Denken und motorische Fähigkeiten an. So betont auch der „eSport Bund Deutschland e.V.“ (ESBD), dass beim E-Sport wie beim Fußball der Wettbewerbsgedanke im Vordergrund steht. Es gibt Ligen und weltweite Turniere. E-Sport wird genau wie Fußball, Volleyball oder Handball auch als Mannschaftssportart betrieben. Und ist das auch Sport? Bei dieser Frage scheiden sich in Deutschland die Geister. Laut Duden ist Sport eine „nach bestimmten Regeln [im Wettkampf] aus Freude an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung …

Contra: Warum E-Sport kein richtiger Sport ist

Beim Sport bewegt man sich, bis man schwitzt – also kann Computerspielen kein Sport sein. Und auch die Regeln des Deutschen Olympischen Sportbundes sprechen gegen E-Sport, meint Henning Barth. „E-Sport ist für mich kein Sport“. Das hat gesessen. Diesen Satz hat der inzwischen zurückgetretene Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Reinhard Grindel, im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem Weser-Kurier gesagt. Scheinbar ist Grindel nicht wirklich begeistert davon, wenn an Konsolen sitzende, nur die Daumen bewegende, junge Menschen beim Zocken von Sport reden. „Fußball gehört auf den grünen Rasen und hat mit anderen Dingen, die computermäßig sind, nichts zu tun.“ Sport findet also im realen Leben statt, meint Reinhard Grindel. Grindel ist nicht der einzige, der diese Auffassung vertritt. Meine Mutter gehörte auch schon immer zum „Team Bewegung“. „Bevor ihr euch an die Konsole setzt, geht ihr aber erst raus zum Spielen.“ Immer wenn ich früher Freunde zu Besuch hatte, kam dieser Spruch von meiner Mutter – beinahe schon leierkastenartig. Wir sollten uns bewegen, unserer Fantasie freien Lauf lassen, selbst auf dem Spielplatz oder im …

Pro: Warum E-Sport ein richtiger Sport ist

In Deutschland hat E-Sport es schwer. Obwohl die Politik dessen Anerkennung vorantreiben will, sperrt sich der Deutsche Olympische Sportbund gegen die Modernisierung. Zu Unrecht, findet Andreas Schneider. „Wir erkennen die wachsende Bedeutung der E-Sport-Landschaft in Deutschland an. Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen.“ Mit diesem Satz aus dem 2018 geschlossenen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD haben viele in der E-Sport-Szene die Hoffnung verbunden, er könnte eine sportpolitische Wende in Deutschland bedeuten. E-Sportler in Deutschland feierten den Entschluss, und auch Hans Jagnow, Präsident des E-Sport-Bundes sah die Vereinbarung als „massiven Schritt nach vorne“ für den deutschen E-Sport. Kritik gibt es von Vertretern des traditionellen Sports, allen voran Reinhard Grindel, dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Fußballbundes (DFB). Bei einem Interview mit dem Weser-Kurier stellte er im vergangenen Jahr klar: „Fußball gehört auf den grünen Rasen und hat nichts mit anderen Dingen zu …

Datenrevolution im Fußball?
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Datenrevolution im Fußball?

Lässt sich ein komplexer Sport wie Fußball anhand von statistischen Modellen entschlüsseln? Können Datenvisualisierungen dem Fußballfan helfen, das Spiel besser zu verstehen? Und wenn ja: welche? Diese Fragen beschäftigen ein Kooperationsprojekt der Lehrstühle für Mathematische Statistik und biometrische Anwendungen und für Fernseh- und crossmedialen Journalismus der TU Dortmund seit Anfang 2016. Auf der diesjährigen Datenjournalismus-Konferenz SciCAR Ende September präsentierten Mitarbeiter der beiden Lehrstühle erste Ergebnisse des Projekts. Suche nach der Nadel im Heuhaufen der Trackingdaten Über Monate hat dabei ein Team um Prof. Dr. Katja Ickstadt von der Fakultät für Statistik Millionen Trackingdaten zweier Spiele der Fußball-Bundesliga ausgewertet. Die Positionsdaten der Spieler und des Balles wurden von der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur Verfügung gestellt wurden. Die Statistiker Jonas Münch, Hendrik van der Wurp und Leo Geppert haben in diesen Daten nach Strukturbrüchen im Spiel beider Mannschaften gesucht und dafür unter anderem die Methode der Behavioural Change Point Analysis (BCPA) angewendet. Bis dato ließen sich noch keine spielentscheidenden Muster identifizieren. Leo Geppert stellte beim Vortrag auf dem Panel „Datenjournalismus und Sport“ jedoch erste Hinweise vor, dass …