Alle Artikel in: Interviews

„Ein Journalist muss kein absoluter Nerd sein“

Virtual Reality ist ein Thema, das mehr und mehr Präsenz erlangt. Was können die großen schwarzen Brillen, die uns eine Realität zeigen, die so nicht oder nicht mehr existiert? Kann Virtual oder Augmented Reality auch ein Instrument für den Journalismus sein? Im Interview erzählt David Orhndorf (WDR) von seinen Erfahrungen. von Antonius Tix und Paul Klur Könnte es sein, dass wir in fünf Jahren alle mit der Virtual-Reality-Brille am Frühstückstisch sitzen? Ohrndorf: Ich weiß nicht – für den Frühstückstisch ist die VR-Brille nicht so cool, weil du abgeschlossen bist und den Vorhang komplett um dich herum hast. Du steigst komplett in eine andere Welt ein. Da musst du dich nicht an den Frühstückstisch setzen, sondern kannst auch in den Keller gehen weil du ja nichts außenherum siehst. Ich glaube, wenn wir wirklich darüber sprechen, was massentauglich ist, was meine Mutter denn möglicherweise benutzen würde, dann würde die sich diese Brille sicher mal angucken – aber ich glaube, sie würde das im Alltag nicht nutzen, weil das diese Abschirmung vom Rest der Welt erzeugt.  Ich denke, …

Neue Nachrichten vom Chatbot

Nachrichtenkonsum mal nicht als Einbahnstraße: Mit News-Chatbots können Nutzer kommunizieren. In Deutschland hat Martin Hoffmann auf diesem Gebiet Pionierarbeit geleistet: Seine App Resi ging 2016 an den Start, Hoffmann gab für das Start-Up seinen Job als Social Media-Chef bei der Welt auf. Resi richtet sich explizit nicht an Nachrichtenjunkies. Im Interview erzählt Hoffmann, warum ihn die Ernährungsberatungs-App Lark bei der Entwicklung von Resi inspiriert hat – und warum Technikkompetenz für angehende Journalisten so wichtig ist.  Wenn Sie eine Kontaktanzeige in der Zeitung für Resi schreiben würden, was würde da stehen? Hoffmann: Unterhaltsame junge aufgeschlossene Frau sucht Millionär mit gutem Wissensstand. Wir suchen nach Geld, deshalb wäre der Millionär ganz oben. Und in Richtung der Nutzer? Wir richten uns ja eher an Leute, die nicht hier ein Studium anfangen würden, sondern eher ein mittelgutes Bildungsniveau haben. Unsere App ist weniger für Akademikerkinder geeignet, sondern eher für Leute, die wenig Bezugspunkte zu Nachrichten haben, nicht die Tagesschau einschalten, und auch sonst selten bis nie Nachrichten konsumieren. Dieser Zielgruppe wollen wir einen Einstieg in die Nachrichtenwelt bieten. Geht das Konzept auf? Ja, das tut es. …

Foto: Syda Productions/Shutterstock.com

Journalismus mal konstruktiv?

Felix Austen ist Physiker und Journalist. Er hat das Medien-Start-Up Perspective Daily mit aufgebaut. Perspective Daily macht konstruktiven Journalismus. Abonnentinnen und Abonnenten erhalten für 60 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr Zugriff auf die Online-Plattform, von montags bis freitags erscheint pro Tag ein neuer Artikel. In ihren Texten sind die Autorinnen und Autoren nicht nur auf der Suche nach Problemen und offenen Fragen in der Gesellschaft – sie stellen jedes Mal die Frage: „Wie können wir helfen, es besser zu machen?“ Felix schreibt über die Themen Energiewende und Nachhaltigkeit. Im Interview erzählt er, was konstruktiven Journalismus überhaupt ausmacht und ob Perspective Daily die Welt schon ein bisschen besser gemacht hat, seitdem es im Juni 2016 online gegangen ist. Von Anneke Niehues und Franziska Fischer Felix, du bist Physiker und hast dich irgendwann entschlossen, ein Medien-Start-Up mitaufzubauen und zwar eines, das sich explizit dem konstruktiven Journalismus widmet. Wie bist du zu Perspective Daily gekommen? Austen: Dem konstruktiven Journalismus bin ich begegnet, als ich Han und Maren kennengelernt habe. Ich bin jetzt etwa seit zweieinhalb Jahren dabei, also auch schon …

Foto: iravgustin/Shutterstock.com

Wie funktioniert Radio im Social Web?

Radio funktioniert über Ton, nicht über Bilder. Aber in der schönen neuen Welt ist alles anders: Warum funktionieren Audios in sozialen Netzwerken nicht? Wieso verlinkt 1Live auf Facebook nicht auf die eigene Seite? Welche Inhalte bringen die meisten Klicks? Und welche Kompetenzen muss ein Social Media-Journalist mitbringen? Jens Becker, Channel Manager von 1 Live, gibt Einblicke in die Social Media-Arbeit der jungen WDR-Welle. Von Veronique Gantenberg und Jonah Lemm Jens Becker, Sie sind Channel-Manager von 1Live, also für den gesamten Internetauftritt verantwortlich. Auf Social Media wirkt es oft so, dass Sie und Ihr Team vermehrt auf humoristische Posts, Memes und Videos setzen. Anders als die Auftritte von vielen anderen öffentlich-rechtlichen Sendern. Warum haben Sie diesen Weg eingeschlagen? Becker: Eigentlich ist es gar nicht zwangsläufig so. Es gibt, glaube ich, ein Übergewicht von humoristischen Beiträgen. Tatsächlich ist es aber so, dass wir unseren Auftritt in drei „Potenzialfelder“ aufgeteilt haben. Das klingt erstmal ein bisschen hölzern. Gemeint sind: „Musik, Pop, Stars“, „Comedy“ und der dritte Bereich ist „Sektor“ – da fällt alles drunter, was für unser Sendegebiet relevant …

Foto: sezer66/Shutterstock.com

Spiel mir die Nachricht des Tages

„Newsgames können etwas, das andere Medien nicht können.“ Das ist der Leitsatz von Marcus Bösch. Der Journalist und Game-Entwickler verrät im Interview, welche Nische Newsgames im digitalen Journalismus besetzen können. Außerdem gibt er einen Einblick in die Entwicklung und Produktion solcher Spiele, spricht über neue Trends in der Branche und erklärt, wieso ein Journalist besser alles andere als eine eierlegende Wollmilchsau sein sollte. Von Patricia Averesch und Lukas Hemelt Marcus Bösch sitzt am Computer und spielt das Newsgame President Evil der ZDF heute-show. Bösch: Wir befinden uns in der nahen Zukunft. Ein Nano-Bot hat uns geschrumpft und in der Zeit zurückgeschickt. Nun sind wir im Gehirn von Donald Trump. Dort können wir ein wenig aufräumen und gewisse Themenkomplexe aus Donald Trumps Gehirn umwandeln – einen Haufen Scheiße zum Beispiel. Während Marcus Bösch weiter im Kopf von Donald Trump „aufräumt“, beantwortet er die ersten Fragen. Wie ist Dir die Idee zu dem Spiel gekommen? Wir (Game-Studio The Good Evil, Anm. d. Red.) haben schon länger eine Kooperation mit der heute-show. Die sind auf uns zu gekommen. Kurze Freude …

Outbrain sagt Google und Facebook den Kampf an

Werbung für neue Sportschuhe, ein Angebot für ein Surfcamp im Sommer und der neueste Bundesliga-Spielbericht: Outbrain ist eine Plattform aus den USA, die die Interessen der Rezipienten kennt, ohne dass diese ihnen selbst bewusst sind, und ihnen treffsicher die Informationen zuspielt, die sie interessiert. Macht das den Journalismus überflüssig? Ein Gespräch mit Daniel Holm, dem Leiter des Bereichs Sales bei Outbrain.

„Nicht jeder kann Snapchat-Journalist sein“

Der Journalist Mark Heywinkel betreut den Snapchatauftritt bei Bild, ab März 2018 ist er stellvertretender Redaktionsleiter bei ze.tt. Als Snapchat-Journalist  nimmt er die Follower mit dem Account hellobild zu Events oder in den Redaktionsalltag mit. Auf Snapchat Discover, dem Nachrichtenportal der App, bereiten er und sein Team journalistische Inhalte auf. Wir haben mit ihm über Snapchat-Vorurteile und Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken gesprochen – und darüber, welche Fähigkeiten ein Snapchat-Journalist haben muss. Von Anna Palm und Jil Frangenberg Wirst du von älteren Kollegen für deine Arbeit mit Snapchat belächelt? Heywinkel: Nein, tatsächlich nicht, und das ist auch der Grund, warum ich zu Bild gegangen bin. Ich finde, dass bei Springer alles Digitale wahnsinnig ernst genommen wird. Ich arbeite in dem Team „Neue Plattformen/Social Media“, das ist eine wahnsinnig junge Gruppe aus etwa 20 Leuten, dazu gehören auch die Kollegen, die Facebook und Twitter betreuen. Alle werden ernst genommen und niemand wird belächelt. Auch ich nicht für Snapchat. Das hätten wir nicht gedacht.  Ist Snapchat denn eine wirkliche Konkurrenz für deine Kollegen? Das kommt ganz drauf an, welche …